Heide gelingt der Befreiungsschlag

RECKLINGHAUSEN Der FC/JS Hillerheide hat einen ganz wichtigen Schritt zum Klassenerhalt gemacht. Andererseits verspielten die SF Stuckenbusch wohl die letzte Chance auf den Titel.

FC/JS Hillerheide - Erler SV 3:2. War das bereits der erlösende Sieg zum Klassenerhalt? Der FC/JS baute vier Spieltage vor Saisonende den Vorsprung auf die Abstiegsränge auf fünf Zähler aus - und schob sich am Erler SV und Westfalia Gelsenkirchen vorbei auf Rang elf. "Heute ist ein guter Tag", jubelte Trainer Roman Malasewski nach Abpfiff.

Seine Formation hatte zuvor engagierte 90 Minuten geboten. Nach starker Anfangsphase, die abrupt abebbte als Sinan Özkaya (Platzwunde) verletzt raus musste, legten die Hausherren im zweiten Durchgang nochmals zu: Christian Johns erzielte die Führung (54.). Zwar kassierte der FC/JS durch einen von Daniel Schmitz verwandelten Elfmeter (61.) den Ausgleich. Doch Hillerheide blieb im Vorwärtsgang und erzielte durch Marius Kruppa (64.) und Yannik Außem (70.) das vorentscheidende 3:1. Tim Soldat Anschlusstreffer (90.+3) fiel nicht mehr ins Gewicht.

"Das sind ganz wichtige drei Punkte. Die Mannschaft hat sich für ein gutes Spiel belohnt", urteilte Malasewski.

(RZ, 30.04.2017)

 

1.Mannschaft - Mentalität schlägt Qualität

RECKLINGHAUSEN Kenner des „A-Teams“ wissen ganz genau: John „Hannibal“ Smith liebt es, wenn ein Plan funktioniert. Vor der Partie gegen BW Westfalia Langenbochum hatten Roman Malasewski und Adrian Przibilka ein ähnliches Strategiepapier entwickelt – und es ging endlich auf.

 

 

Beim 3:1 (0:0) durchbrach der FC/JS Hillerheide die Sieglos-Serie von sieben Spielen.

Dabei schrieb diese Partie zum Hinrunden-Ende der Bezirksliga so viele Geschichten, die zu einer Veröffentlichung eines kleinen Taschenbuchs reichen. Da wäre das glückliche Händchen Malasewskis und Przibilkas, die mit Sinan Özkaya zur Pause den Torschützen der 1:0-Führung (55.) einwechselten.

Oder das heldenhafte Startelf-Comeback des Amel Odobasic, der seine engagierte Leistung im zentralen Mittelfeld direkt mit dem Treffer zum 2:0 krönte (62.).

Oder der bedrückende Zwischenfall von Jonas Klos, dessen Einsatz an seinem 23. Geburtstag mit einer Knieverletzung und einem Krankenwagen-Transport endete, weshalb die Partie für zehn Minuten unterbrochen wurde.

Oder die tragische Anekdote von Serhat Can, der beim Stand von 0:0 mit dem Pausenpfiff einen Foulelfmeter an den Pfosten setzte und sogar einen Elfmeter verschuldete, den Tobias Portmann zum (nicht mehr wichtigen) Gegentor zum 3:1-Endstand verwandelte (90.).

Sowohl Langenbochums Trainer Karsten Quante als auch Heide-Teamchef Malasewski sahen im verschossenen Elfmeter Cans einen Knackpunkt. Hillerheide, das zuvor eine Langenbochumer Drangperiode mit der Großchance für Pierre Bendig (29.) eher mit Glück als mit Verstand unbeschadet überstand, knickte nach diesen Nackenschlägen nicht wie ein typischer Abstiegskandidat zusammen. Sondern hielt die Brust breit und den Kopf oben. „Hillerheide hatte eine bessere Mentalität“, erkannte Quante an. „Ich hatte das Gefühl, sie haben an den Sieg geglaubt. Wir nicht.“

Logischerweise freute sich Malasewski wie „Hannibal“, dass sein Plan aufging. Vor allem war der FC/JS-Teamchef beeindruckt, dass seine Spieler nach dem 1:0 „konsequent weitergemacht“ haben. Anders als nach der 2:0-Führung in Schwerin (Endstand: 2:2) drängte der FC/JS nach dem 2:0 durch Odobasic auf die Vorentscheidung. Schon zwei Minuten später drückte Yannik Außem eine Flanke von Christian Johns über die Linie – 3:0 (64.).

„Alle Gegentore sind zu verhindern“, monierte Quante. „In der zweiten Halbzeit haben wir zu wenig Fußball gespielt.“Komplett entgegen gesetzt war Malasewskis Abschlussfazit: „Wir hatten die totale Überzeugung, dieses Spiel zu gewinnen. Dieser Sieg ist verdient.“ Kein Wunder, wenn ein Plan funktioniert.

 

SF Stuckenbusch - 1.Mannschaft 2:2 (1:1)

So geht Derby

STUCKENBUSCH Eine Nachhilfestunde in puncto „Drama“ brauchen die Recklinghäuser Bezirksligisten nicht: Das rasante 2:2 (1:1) zwischen den SF Stuckenbusch und dem FC/JS Hillerheide hatte alles, was ein gutes Fußballspiel braucht. Einen (zumindest etwas) schwächelnden Favoriten (Stuckenbusch), einen keck aufspielenden Kontrahenten (Hillerheide) und ein irrwitziges Drehbuch (Schiedsrichter-Fehlentscheidungen inklusive). Oder: Das Derby – ein Drama in drei Akten.

 


Antreiber unter sich: Hillerheides Serkan Umar (r.) entwischt Christoph Maass. Foto: Kevin Korte

 

• Akt I – das Hillerheider Überfallkommando: Hillerheide startete grundsätzlich besser in die Parte, besaß nach zwei Zeigerumdrehungen bereits das Glück, dass das lange Bein von Thomas Such, das Mirko Eisen zu Fall brachte, nicht mit einem Elfmeterpfiff geahndet wurde.

Was der FC/JS dann aber vollzog, war Fußball am Taktik-Reißbrett entworfen und auf dem grünen Viereck in Perfektion umgesetzt. Die Sonderaufgabe Can Altunoks, Taktgeber Marvin Schulz in Manndeckung zu nehmen, hemmte das Stuckenbuscher Offensivspiel.

Hillerheides Trainer Roman Malasewski heiligte das (altbackene) Mittel zum Zweck: „Das war der Schlüssel für unsere anfängliche Dominanz.“ 25 Minuten lang kontrollierte Hillerheide die Partie, brachte mit überfallartigen Kontern Stuckenbusch in arge Bedrängnis. Die Führung durch Sinan Özkaya – aus Abseitsposition – war verdient (12.). Und der FC/JS verpasste durch den Torschützen (17.) sowie Yannik Außem (21.) eine weitere Verbesserung des Resultats.

Trainer Michael Pannenbecker stocherte nach Abpfiff für die Ursachen dieser Stuckenbuscher Lethargie noch im Trüben. Ad hoc vermisste er „Druck auf dem Ball“, was ihm zu einer taktischen Umstellung bewog.

• Akt II – das Imperium schlägt zurück: „Eigentlich war es von vornherein so geplant“, begründet Pannenbecker den Schachzug, Innenverteidiger Christoph Maass und Sechser Nino Schlutt die Positionen tauschen zu lassen. Jedenfalls diktierte ab Minute 31 nun der Spitzenreiter, der auch von Hillerheider Übermütigkeiten im Kurzpassspiel am und um den eigenen Strafraum profitierte.

Der Ausgleich von Nino Schlutt, der ganz unbedrängt nach einem Freistoß einköpfte (41.), war lediglich die Spitze einer Stuckenbuscher Drangphase: Mirko Eisen (33., 35.) und Maass (36.) verpassten den Ausgleich. Nach Wiederanpfiff waren es erneut Eisen (56., 61.) und Maass (68.), die aussichtsreich scheiterten.

An der Berechtigung der 2:1-Führung, markiert durch Strafraumbüffel Mirko Eisen (79.), gab es wenig zu rütteln. Die Hillerheider Proteste bezogen sich aber auf zwei Situationen direkt vor und nach dem Gegentreffer. Einem Freistoß von Christian Johns (76.), der von der Latte ganz unzweifelhaft hinter der Torlinie aufkam und zurück ins Feld prallte, sowie einem Tor von Özkaya (80.), dem wiederum unzweifelhaft ein ungestümes Stürmerfoul vorausging, verweigerte Schiedsrichter Timo Barth jeweils die Anerkennung.

• Akt III – Scharfschütze Johns: Nach dem Rückstand löste Malasewski jegliche Absicherung auf und erhöhte den Druck, Stuckenbusch konterte aber zu umständlich. Daher wurde es in Minute 86 nochmals brenzlig für Kevin van Holt: Johns zielte nach eigener Aussage „etwas niedriger“ und erlöste Hillerheide – 2:2 (86.).

Den Schlusspunkt bedeutete das nicht: Erst als in der vierten Minute der Nachspielzeit Mirko Eisens Kopfball um Zentimeter am Hillerheider Gehäuse vorbeistrich, war das Remis amtlich – und das Derby-Drama hatte sein letztes Kapitel gefunden.

(RZ, 11.09.2016)

 

 

Cranger-Kirmes-Cup- Halbfinale

TSV trifft im Finale auf Herne

 

Der TSV Marl-Hüls hat die Spaß-Fußballer von der Maybacher Heide relativ humorlos gestoppt: Mit einem nie gefährdeten 2:0 (0:0) zog der Oberligist ins Finale um den Cranger-Kirmes-Cup 2016 ein, in dem nun Westfalia Herne der Gegner ist, der im Anschluss SV Sodingen mit 4:2 im Elfmeterschießen bezwang.

Der Spaß war dem FC/JS Hillerheide, der Turnierüberraschung der diesjährigen Auflage, aber nicht nur wegen der verdienten Niederlage vergangen. In der 68. Minute verlor der Bezirksligist Ingmar Holtkamp per Roter Karte. Der Kapitän hatte Kim Völkel nach einem Zweikampf im Fallen unglücklich getroffen. Das folgende Wortgefecht zwischen beiden Spielern wertete der Schiedsrichter als Beleidigung seiner selbst – es war der traurige Höhepunkt eines aus Hillerheider Sicht nicht gerade lustigen Abends.

Den hatte auch der TSV lange Zeit nicht. Feldüberlegen spielte der Oberligist zwar von Beginn an auf, er hatte durch Sebastian Westerhoff (16.), der völlig frei weit verzog, und einem Pfostenschuss von Egzon Kadrija (18.) zwei erstklassige Möglichkeiten.

Hillerheide arbeitete aber insgesamt gut dagegen und konnte nach elf Minuten ebenfalls eine klasse Chance für sich verbuchen, als Tim Schackmat Can Altunok auf die Reise schickte. Nils Martens im Hülser Tor roch den Braten rechtzeitig und warf sich in den Ball.

So kam es, dass die Begegnung lange Zeit vor sich hin plätscherte und ein 0:0 zur Pause zu Buche stand. Weder Resultat noch Spielweise seines Teams schmeckten TSV-Coach Michael Schrank: „Vorne sind wir zu hektisch, und von hinten rücken wir viel zu langsam nach“, monierte der Fußballlehrer.

Der hatte kurzfristig auf Tim Forsmann (lag mit einer Sommergrippe flach) und Michael Smykacz verzichten müssen. Der Hülser Angreifer laboriert an einer Entzündung im Oberschenkel und wird mindestens für den Rest der Woche ausfallen. Dafür feierte in der 61. Minute Davide Basile seine TSV-Premiere.

Als der Verteidiger kam, war die Begegnung längst entschieden. Und das unter tätiger Mithilfe von Hillerheide. So aufmerksam und gut strukturiert der Bezirksligist bislang auch agierte, als Maurice Iseringhaus in der 50. Minute am eigenen Strafraum ein Luftloch schlug und der auf solche „Klopper“ stets lauernde Sebastian Westerhoff freie Bahn zum 1:0 hatte, war der Bann gebrochen.

Pierre Nowitzki legte drei Minuten darauf nach Westerhoff-Zuspiel das 2:0 nach, der Rest war dann nur noch ein mehr oder weniger ansehnliches Freundschaftsspiel.

Für den TSV war’s wohl das letzte dieser Art in Sodingen. Mit Blick auf den kommenden Endspielgegner Herne schwante Michael Schrank nämlich schon bei Abpfiff: „Im Finale am Samstag wird es heißer zugehen als heute.“

TSV Marl-Hüls: Martens – Engbert, Hötte, Kriesten, Tekin (68. Wickermann) – Nowitzki, Diericks – Hoffmann (61. Basile), Kadrija, Westerhoff – Baf (46. Völkel)

Hillerheide: Schnell – Kruppa, Such, Iseringhaus, Fabich (77. Bonk) – Broihan (46. Elmas), Holtkamp – Schakmat (61. Serkan), Altunok, Can – Außem (77. Scheffer)

Cranger-Kirmes-Cup

Am Donnerstag ist im Halbfinale ab 17.45 Uhr Oberligist TSV Marl-Hüls der nächste Gegner.

  

Dass die Partie gegen Frohlinde am Ende noch etliche Nerven kostete, hatten sich die „Heider“ selbst zuzuschreiben: 5:2 hatten sie nach einer Stunde vorne gelegen, ein Unentschieden hätte bereits zum Gruppensieg gereicht.

Auch wenn sich „nur“ zwei Bezirksligisten gegenüber standen, die Dramaturgie dieser Begegnung hätte jedem Endspiel gut zu Gesicht gestanden. „Ich denke, für gute Unterhaltung sind wir mittlerweile bekannt“, sagte Roman Malasewski, der FC/JS zusammen mit Adi Przibilka coacht.

  

Yannick Außem brachte Hillerheide früh in Führung (8.). Mitten in einer Frohlinder Drangphase mit zwei, drei guten Möglichkeiten erzielte Can Altunok mit einem wuchtigen Schuss unter die Torlatte das 2:0 (21.).Frohlindes Freude über den Anschlusstreffer in der 41. Minute währte nur kurz: Wieder war es Altunok, der im Frohlinder Strafraum freie Schussbahn hatte – 3:1 (43.).Und das war es noch lange nicht: Dennis Lauth brachte Frohlinde noch vor der Pause per Kopfball wieder heran (45.).

  

Die Recklinghäuser schnürten mit Wiederanpfiff den Sack vermeintlich zu: Serhat Can krönte sein starkes Solo, um uneigennützig auf Sinan Özkaya zu passen – 4:2 (57.). Zwei Minuten später traf Mo Elmas per Konter gar zum 5:2.

Entspannt zurücklehnen durfte sich dennoch niemand. Etliche strittige Szenen und Entscheidungen kamen nun hinzu, nicht gegebene Elfmeter auf beiden Seiten und zwei Treffer der Frohlinder, die neun Minuten vor Ende wieder dran waren – aber eben nicht vorbei.

  

"Houston, wir haben ein Problem"

 

Bei aller Hillerheider Freude über das Weiterkommen, schaute Roman Malasewski schon ein wenig skeptisch drein: „Da kann man nur sagen: Houston, wir haben ein Problem.“ Mittwochabend spielt „Heide“ das Viertelfinale der Stadtmeisterschaft gegen SV Herta, Donnerstag Kirmes-Cup gegen den TSV, und Freitag möglicherweise wieder Stadtmeisterschaft.

Malasewski nimmt’s pragmatisch: „Die Einladung für Sodingen konnten wir einfach nicht ablehnen. Immerhin hatten wir dort bis jetzt zwei geile Vorbereitungsspiele.“

Hillerheide: Schnell – Fabick (78. Scheffer), Samamidas, Isringhaus, Schachnat – Broihan (46. Elmas), Holtkamp – Özkaya, Altunok – Can – Außem (68. Ceglarek)

Tore: 1:0 Außem (8.), 2:0 Altunok (21.), 2:1 Kasprzak (21.), 3:1 Altunok (43.), 3:2 Lauth (45.), 4:2 Özkaya (57.), 5:2 Elmas (59.), 5:3 Lauth (64.), 5:4 (Diaz (81.)